Gedankengut


1,5 Meter wäre doch ein guter Anfang...

Werte Hundehalter von freilauffreudigen Manchmalhöhrern und Nurmalhallosagern.

Ihr wundert euch sicher oft über das verrückte Verhalten manch anderer Hundemenschen, dass so gar nicht in eure sorglose Welt passt. Daher möchte ich mit diesem Beitrag einmal aufklären, was manch eigenartiges Handeln oftmals zu bedeuten hat, damit ihr euch nicht ständig wundern müsst.

 

Wenn ein entgegenkommender Halter seinen Hund anleint und zu sich rannimmt, macht er das NICHT, weil er seinem Hund den beschränkten Kontakt zu eurem herannahenden Freudenbringer unnötig erschweren will. Nein, er möchte in der Regel KEINEN Kontakt an der Leine und seinen Hund nur sicher vorbei führen…ohne Belästigung. Diese Halter wünschen sich sehr, dass ihr auch euren Hund kurz zu euch ruft, auch wenn das Aufzeigen würde, dass es nicht klappt. Versucht es doch aus Spaß mal und wenn ihr wisst, dass ihr eurem Hund egal seid, legt ihm doch nur mal ganz kurz diese überflüssige, um euren Hals baumelnde, Schnur an und der ganze Spuk dauert nur eine Minute…nicht mal.

 

Wenn ein entgegenkommender Halter mit seinem Hund oder gar Hunden an der Leine vom Weg ins tiefe Gebüsch kriecht, bis er kaum noch zu sehen ist, möchte er NICHT, dass euer Hund ein aufregendes Suchspiel startet oder die Flexileine auf ihre Länge geprüft wird. Nein, diese Leute wollen tunlichst Kontakt vermeiden und versuchen eurem Hund aus vielen möglichen Gründen aus dem Weg zu gehen. Auch sie wären unheimlich beeindruckt, wenn euer Hund bei euch bleiben würde oder gar auf einen Rückruf hört. Das wäre eine tolle Gelegenheit ihnen mal zu zeigen, wie das geht, denn da wollen sie auch mal hin.

 

Wenn ein anderer Hundehalter euch überraschend anspricht und darum bittet, euren Hund nicht zu seinem angeleinten zu lassen, weil er z.B. nach vorne geht, ist das nicht der Moment sich seines eigenen Tieres entledigen zu wollen indem man sagt „Das muss meiner auch mal lernen, der kann das ab.“  Der andere Hundehalter möchte nämlich NICHT, dass sein Hund erneut lernen muss, nur noch durch Schnappen distanzlose Penetranten abwehren zu können. Hier könnte man der Bitte einfach nachkommen und schon ist alles vorbei. Ohne ausgetauschte Nummern und Tierarztbesuche. Für erstere gibt es andere Gelegenheiten und Portale.

 

Wenn sich ein Mensch mit seinem bellenden und in der Leine hängenden Tier an eine Laterne klammert, ist das kein neuer Trick, den sie üben, sondern da hat wahrscheinlich jemand Mühe sein ausrastendes Hundchen zu halten. Es hilft ihm NICHT, wenn ihr euren Hund weiter dort hinlaufen und Hallo sagen lasst. Man könnte vermuten, dass es keine so freundliche Begegnung wird, auch wenn die Hypnosewirkung eines drohenden Unfalls natürlich nicht zu unterschätzen ist und Gaffen beliebter ist als ein Rückruf.

 

Wenn euer penetranter Identitätsprüfer mal wieder nicht von einem anderen Hund ablassen will und dieser andere Hundehalter unverschämter Weise versucht, euren netten Hund zu blockieren oder gar abzuwehren, obwohl der doch wie immer nur spielen will, dann ja, ist das wohl wieder so ein verzweifeltes ängstliches Menschlein. Er kann einfach nichts dafür, dass er die Sprache der Hunde versteht und seinen eigenen gut kennt und ihm sogar zur Seite stehen will, weil eine eingeklemmte Rute, hinsetzen und ausweichen eben nur für einen lustig ist. Er weiß einfach noch nicht, dass Hunde doch immer alles unter sich regeln müssen und Menschen nur zugucken sollen. Das müsst ihr im dann natürlich sagen.  

 

Wenn ihr euren Hund dann doch einmal an der Leine habt und einem anderen angeleinten Hund entgegen kommt, der dann weg gezogen wird damit eurer selbst am langen Arm nicht heran kommt, dann ist das natürlich sehr traurig und wieder so ein armes Tier, was niemals nie Sozialkontakte mit anderen Hunden haben darf. Das ist nur schwer zu verkraften, ich weiß. Es wird wohl immer Menschen geben die wissen, dass die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten an der Leine missverständlich enden können und das die Hundenase gut genug funktioniert, dass sie nicht im Hintern des anderen verschwinden muss, um Hallo zu sagen. Das sind wahrscheinlich auch Menschen, die nicht wie ihr jedem Fremden die Hand schütteln und durch die Haare wurschteln würden, weil ein enges Hallo sagen eben einfach sein muss. Das sind wohl solche, die einem auf der Straße nur Zunicken und Lächeln oder sogar ignorieren würden. Verrückte gibt’s...

 

Ihr ahnt es schon, es läuft eigentlich alles auf nur eine einzige Sache hinaus. Ein Hund an der Leine ist ein armes Würstchen, das nie spielen darf, noch nie einen anderen Hund aus der Nähe gesehen hat und sein Mensch ihm alles verbietet, weil er total unfähig und überfordert mit der Hundewelt ist, in der ihr so gut klarkommt.

 

NEIN, das Resümee ist, dass alles so viel einfacher wäre, wenn nur ein winziger Funken Rücksicht darin bestünde, angeleinten Hunden Raum zu geben und kontaktlos aneinander vorbei zu gehen oder wenigstens vorher zu fragen, ob die denn mal Hallo sagen dürfen. Ihr könnt all die anderen freilaufenden Hunde mit euren Vierbeinern beglücken und euch freuen, was ihr für Freiheiten genießen könnt, für die andere sich noch bemühen! Macht um diese verschrobenen Leinenliebhaber doch einfach einen kleinen Bogen.

 

Mehr wollen die gar nicht.

 

1,5 Meter Abstand wäre doch ein Anfang und ist momentan so gut zu üben…

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Bemerkung: Dieser Text hat im Netz überraschend umfangreich die Runde gemacht und viele Mitleidtragende aufgedeckt, die diese Umstände nur zu gut kennen und das regelmäßig.  Natürlich gab es auch genug, die ihr Unverständnis oder gar Unmut gegen Leute mit Hund an der Leine äußerten. Die Sichtweisen und Standpunkte liegen teils sehr weit auseinander. Wer sich von meinen Worten angegriffen fühlt, tut das vlt. zu Recht. Denn diejenigen, die ihren freilaufenden Hund in beispielhaft genannten Situationen abrufen können und die Situation des anderen hinnehmen und einfach passieren, sind offenkundig nicht gemeint und ich könnte mich bei jedem bedanken, der das so handhabt. Der Alltag zeigt mir und vielen anderen aber offensichtlich eher eine Realität, wie ich sie beschrieben habe. Und das ist so unnötig und schade und beschert vielen Hunden vermeidbare schlechte Erfahrungen und führt zu Verhalten, das keiner wirklich braucht. Natürlich trägt auch der Mensch am Leinenende seine Verantwortung daran, auf beiden Seiten. Nur ist stößt man auch auf seine Grenzen, wenn man alles möglich versucht und gegen die Ignoranz der anderen nicht ankommt. Auch mein Ton im Text hat einige empört, dabei fand ich ihn bis dato eigentlich recht nett, wenn auch ironiegetränkt. Aber jeder liest es so, wie er es wohl empfindet. Wenn man jahrelang versucht nett zu kommunizieren und immer wieder mit den gleichen rücksichtslosen Menschen und Worten konfrontiert wird, hört man wohl irgend wann auf sanftlächelnde Kinderlieder zu singen und versucht eine andere Sprache.

Würden wir einfach alle mehr aufeinander achten, unsere Situationen akzeptieren und vor allem bereit sein zu sehen was unsere Mitmenschen tun, dann gäbe es so viele Konflikte und Potenzial für Unmut gar nicht. Aber Rücksicht ist und bleibt wohl einfach ein wertvolles und bröckelndes Gut.